Jens Franke | Thomas Gläser
Chemieraum
Anfassbare Chemie im Ausstellungsraum
Bachelorarbeit
Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd
Studiengang Kommunikationsgestaltung 2008
Betreuer:
Prof. Hans Krämer,
Prof. Jörg Beck
TUMLab:
Prof. Peter Härter,
Dr. Andreas Kratzer
Forschungsgruppe haptICS:
Götz Wintergerst,
Ron Jagodzinski



Staatspreis Kommunikationsdesign
Das Konzept des Chemieraums wurde in Zusammenarbeit mit dem TUMLab des Deutschen Museums in München realisiert und lässt die Welt der Atome für Jugendliche interaktiv und haptisch erfahrbar werden. Der Chemieraum besteht aus einem Medientisch, unterstützt durch eine inszenierende Wandprojektion. Aufgrund des modularen Aufbaus lassen sich die einzelnen Segmente an die Raumgröße und das Besucheraufkommen anpassen. Je näher der junge Besucher dem Aufbau kommt, desto stärker zoomt er sich selbst bis auf die Molekülebene ein. Dieser Schritt soll den Besucher aus der Alltagswelt in die Welt der Moleküle überführen. Auf dem Tisch selbst kann der Benutzer mit einem Eingabegerät („Puck“) aus einer Bibliothek ganze Moleküle wählen oder sich mithilfe des „Baukastens der Elemente“ aus einzelnen Atomen selbst Moleküle fertigen.
Begleitend zeigt die inszenierende Wandprojektion Informationen über die Eigenschaften des aktuell gewählten Stoffes sowie dessen Alltagsbezug. Über einen Temperaturregler können die Aggregatzustände der auf dem Tisch eingeblendeten Stoffe ständig verglichen werden. Dabei unterstützt ein neuartiges Eingabegerät den visuellen Reiz mit einer haptischen Rückmeldung: So vibriert der „Puck“ bei der Erhöhung der Temperatur stärker und leuchtet in den Farben des gerade aktiven Atoms auf. Genauso spürt der Besucher beim Bau eines Moleküls einen Widerstand, wenn das Molekül kein neues Element mehr aufnehmen kann.
Würdigung
In der Projektarbeit Chemieraum zeigen Jens Franke und Thomas Gläser auf beeindruckende Weise, wie elektronische Medien komplexe Sachverhalte anschaulich und nachvollziehbar vermitteln können. Die Arbeit besteht aus interaktiven Stationen, die Kindern und Jugendlichen die Welt der Chemie spielerisch und intuitiv nahe bringt. Herausragend bei diesem Projekt sind die Konsequenz und die Logik der Umsetzung. In ausführlichen Studien und formativen Nutzertests mit Schülern eines Gymnasiums wurden die strukturellen und gestalterischen Ergebnisse permanent evaluiert, um spätere Verständnisprobleme und Fehlerquellen frühzeitig zu eliminieren.
Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen entstand ein richtungsweisendes, didaktisches Werkzeug, das sowohl inhaltlich als auch gestalterisch in jeder Hinsicht überzeugen kann. Darüber hinaus wurde für die Projektarbeit ein eigenes Interface entwickelt, das die formale Sprache des Themas und den inhaltlichen Bezug stilsicher aufgreift. Dadurch wird das gemeinschaftliche Entdecken, Erfahren und Erleben beim Gebrauch des Systems möglich gemacht.
Chemieraum ist ohne Frage ein großartiges Beispiel für die anstehenden Aufgaben des modernen Kommunikationsdesigns. Die Arbeit macht deutlich, wie eine richtige Symbiose aus Inhalt und formaler Umsetzung zu einer besseren Vermittlung komplexer Botschaften führen kann. Die Arbeit verfällt nicht den oft oberflächlichen Tendenzen interaktiver Medien, sondern nutzt deren Möglichkeiten souverän und informationsgrafisch bemerkenswert.
Prof. Erich Schöls
Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt