Bayerischer Staatspreis für Nachwuchsdesigner

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie

Robert Knossalla


"Wasserläufer" - Binnengewässer-Taxi


Kunsthochschule Berlin-Weißensee
Betreuer: Prof. Staubach

WasserläuferWasserläufer Detailansicht

Preis im Bereich Industriedesign

Wasserläufer

Der Entwurf entstand an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee unter Betreuung von Herrn Professor Staubach.

Im Zentrum dieses Konzeptes steht das Aufzeigen neuer, visionärer technischer und gestalterischer Lösungsmöglichkeiten für ein derartiges High-End-Sportgerät. Der Entwurf des stark wettbewerbsorientierten Liegerads entfernt sich deutlich vom gewohnten Erscheinungsbild eines Liegerads, um so die innovative Antriebstechnik der "Fluidic muscles" durch eine adäquate Gestaltung zu visualisieren.

Würdigung

W. O. Geberzahn

Bei den zu Designpreisen eingereichten Arbeiten haben wir in der jüngeren Vergangenheit immer wieder interessante Arbeiten zur Fortbewegung zu Wasser und in der Luft kennen gelernt. Allerdings lag der Schwerpunkt hierbei meist auf der Nutzung in der Freizeit, im Vordergrund stand der Spaß an der Bewegung. Dass Wasser als Verkehrsfläche intensiv genutzt werden könnte, blieb eher eine Randidee, was nicht zuletzt mit den geografischen Verhältnissen in den alten Bundesländern zu tun hat.

Nachdem Berlin ins politische und geistige Zentrum der Republik gerückt ist, wird deutlicher als vorher, dass diese Stadt und ihr Umland über ein weit verzweigtes, unvergleichliches Gewässernetz von hoher Attraktivität verfügt. Flüsse, Kanäle und Seen werden in die Stadtplanung und -entwicklung mit einbezogen, Uferflächen und Bebauungen neu definiert. Davon sind immerhin 200 km schiffbar und lassen sich in die Verkehrsplanung integrieren. Eine entsprechende Nutzung der Wasserflächen könnte die landgebundenen Verkehrssysteme entlasten. Dazu fehlen bisher allerdings die entsprechenden Wasserfahrzeuge.

Hier stößt die Diplomarbeit von Robert Knossalla in eine Marktlücke. Werften konzentrieren sich heute meist auf Angebote für Freizeitkapitäne, verkehrstechnische Nutzungen werden vernachlässigt. Und so hat die Jury die Arbeit des Berliner Diplomanden ausgezeichnet, weil sie einerseits zur Verbesserung zeitgemäßer Verkehrssysteme beitragen kann und andererseits als überzeugendes Produktkonzept vorgestellt wird.

Knossalla weiß um die Notwendigkeiten der Personenbeförderung auf Binnengewässern:

Das Boot muss ruhige, aber flotte Fahrt ermöglichen, darf die Uferbefestigungen nicht übermäßig angreifen und muss vor allem wendig sein. Das gelingt ihm durch eine Kombination aus Wasserstrahlantrieb, zwei beweglichen Auslegern und einer Tragfläche. Beim Anlegen wird das Boot durch heckseitiges Fluten abgesenkt, stabilisiert und ruhig gehalten, während der Fahrt hebt es sich und gleitet, nur von der Tragfläche und den Auslegern getragen, über das Wasser. Es können vier bis fünf Personen befördert werden, die dabei nicht nur bequem Platz nehmen, sondern auch durch die großflächige Verglasung die Umgebung optimal genießen können. Zahlreiche Details, wie die nach oben schwenkende Tür, die zum schützenden Vordach wird, unterstreichen die Qualität des Entwurfs. Und da das Boot als Plattformkonzept entwickelt wurde, lassen sich zahlreiche andere Einsatzbereiche denken: auch als Arbeits-, Polizei- oder Feuerwehrboot kann der Wasserläufer eine gute Figur abgeben.

Die Jury unterstreicht den eigenständigen und innovativen Charakter der Arbeit, weil der Verfasser ein bisher vernachlässigtes Problem erfolgreich beleuchtet und eine Lösung vorstellt, die auf eine eingehende Auseinandersetzung mit den Anforderungen in der Praxis schließen lässt. Der Einsatz moderner Technologien und Materialien zeigt, dass der Entwurf in der Zukunft bestehen kann. Darüber hinaus überzeugt die Arbeit von Robert Knossalla durch eine anschauliche und übersichtliche Darstellung, die den Einstieg in die Thematik erleichtert, wobei auch die Qualität des Modells erwähnt werden muss.

Technische Daten:

5500 x 2300 x 2100 mm
Modell im Maßstab 1:10
2000/2001

© 2012 Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie