Münchner Merkur vom 09.06.2000
Futuristische Ideen im Maximilianeum
Staatspreis an Nachwuchsdesigner verliehen
Leidenschaftliche Erfinder scheinen die heutigen Kreativen nicht mehr zu sein, eher erfolgsbewusste Denker. "Ich musste Entwicklungsarbeit leisten, die Pläne mussten reifen und gären", sagt Industriedesigner Patrick Scholl pragmatisch.
Für dieses rationale Vorgehen, und vor allem für seine ungewöhnliche Erfindung "pneumatic.cyc", ein luftbetriebenes Liegerad, wurde er gestern im Maximilianeum mit dem Bayerischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner 2000 geehrt.
Der Bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Otto Wiesheu verlieh den Staatspreis außerdem an AIeksandra Konopek für "Pneo", das Modell einer Wohnstation im Weltraum, die Astronauten mehr Raum und Komfort bietet, die Kugel wird erst vor Ort pneumatisch entfaltet. Katja Höltermann, die dritte Preisträgerin, wurde für ihre "Sensiblen Trinkgefäße" ausgezeichnet. Die silbernen Becher neigen sich je nach Füllung. Sie richten sich erst wieder ganz auf, wenn nachgeschenkt wird. Für diese fast schon poetisch anmutende Idee bekam Katja Höltermann den Preis im Bereich "Gestaltendes Handwerk".
Scholls Erfindung sieht aufsehenerregend und futuristisch aus. Auf den ersten Blick vermutet man eher ein Kunstwerk als ein Fahrrad. "Ich wollte etwas total Neues erfinden", sagt Scholl. Und da kam er auf die Idee ein Fahrrad zu bauen, das nicht mit einer Kette betrieben wird, sondern das durch pneumatische Muskeln und der ihnen zugepumpten Luft getrieben wird. Preisverdächtig hört sich auch seine neue Idee an: Ein ebenfalls von Luft betriebenes Dreirad, in dem zwei Personen stehend fahren können.
Die drei preisgekrönten Design-Objekte, und 16 weitere, von der Jury ausgewählte Arbeiten sind bis 9. Juli im Maximilianeum ausgestellt. Geöffnet ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr, freitags nur bis 14 Uhr.
Özlem Ahmetoglu
