Christian Frank Müller
One piece apparel / cut your style
Kleidung in einem Teil gewebt
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof, Abteilung Münchberg, Fakultät Textil + Design, Studiengang Textildesign | 2007
Betreuer:
Prof. Anita Oswald,
Prof. Dr. Frank Ficker
Stoeckel + Grimmler KG
Textile Finishing Sparneck GmbH
Farbchemie Braun KG
Textilgruppe Hof Garne GmbH



Staatspreis Textildesign
One piece apparel – Bekleidung nicht als Sammelsurium einzelner Schnittteile, sondern als Kompaktprodukt. Besteht bis dato ein Kleidungsstück aus mehreren Stoffteilen, die zusammengenäht werden, wird hier das Kleidungsstück direkt am Webstuhl durch ein- und zweiflächige Bindungen gewebt.
Das Kleidungsstück ist nach dem Weben und Veredeln fertig und muss nur noch ausgeschnitten werden. Es entfällt der aufwendige Arbeitsschritt des Nähens, da die gewebte Verbindung der Stofflagen die Naht ersetzt. Trotzdem ist das Kleidungsstück belastbarer als eines mit einer Naht. Somit lässt sich auch eng anliegende, gewebte Kleidung fertigen, da der Zug beim Anziehen auf eine größere Verbundstelle verteilt wird. Auch Muster können ohne verschobene Rapportanschlüsse im Kleidungsstück eingewebt werden.
Wenn Stoffstücke statt fertiger Bekleidung verkauft werden, ist der Zuschnitt selbst durchführbar und wird durch einen aufgedruckten oder eingewebten Schnittplan erleichtert.
Würdigung
One piece apparel / cut your style ist ein raffiniertes Bekleidungskonzept, basierend einerseits auf der Fully-fashioned Technologie von Maschenwaren, andererseits auf der genialen A-POC Idee des Modedesigners Issey Miyake, aus einem Strickschlauch individuelle Kleidungsstücke heraus zu trennen, bzw. zu schneiden. Was diese Arbeit nun auszeichnet und auszeichnungswürdig macht, ist die Transformation in die Jacquardgewebetechnologie mit völlig neuen Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten.
Spezielle Materialauswahl in Kombination mit adäquaten komplexen Bindungstechniken kreieren neue Oberflächen und schaffen Volumen und Weite im Kontrast zu körpernahen Partien. Sie erzeugen flexible, elastische bis hin zu transluzenten Zonen im Wechselspiel mit starren, blickdichten Bereichen und sie ermöglichen nicht zuletzt neuartige und innovative Schnittformen sowie Bekleidungsteile. In einem Satz zusammengefasst: Die ursprüngliche Idee wird multipliziert durch Variation und Vielfalt und schafft somit ungeahntes Potential für eine höchst individuelle Nutzung.
Prof. Anita Oswald
Hochschule Hof-Münchberg
